Trotz Energiewende deckt Mineralöl rund ein Drittel des globalen Primärenergiebedarfs — es bleibt damit der wichtigste Energieträger der Erde und gleichzeitig geopolitisches Druckmittel.
In Deutschland fließt Erdöl in drei große Verwendungsbereiche: in die Tanks von Autos, Lkw und Flugzeugen, in die Produktion der chemischen Industrie (Kunststoffe, Dünger, Medikamente) und — trotz fortschreitender Wärmewende — noch immer in Heizungen. Rund 95 % des Bedarfs werden importiert, die heimische Förderung ist marginal.
Die Nachfrage ist zwar rückläufig: 2025 wurden 10,6 % weniger Rohöl importiert als 2020 und rund ein Drittel weniger als 2005. Aber eine komplette Ablösung ist nicht in Sicht — Öl ist zu tief in Verkehr, Industrie und Chemie verankert.
1 Barrel = 159 Liter Rohöl. Die internationale Leitsorte Brent wird in US-Dollar pro Barrel notiert. Im Jahresmittel 2026 erwarten Analysten rund 64 USD je Barrel Brent.
Per Tanker nach Wilhelmshaven, Rostock und über die ARA-Häfen (Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen). Per Pipeline aus der Nordsee und über die Druschba-Route (aktuell v. a. kasachisches Öl).
„Öl ist nach wie vor der wichtigste Energieträger der Erde — und in Verkehr, Industrie und Chemie auf Jahre hinaus nicht ersetzbar."Kernaussage der Sektion
Seit dem Importstopp für russisches Rohöl hat sich die deutsche Lieferstruktur grundlegend gewandelt. Wo 2020 noch fast ein Drittel aus Russland kam, dominieren heute drei Länder.
Norwegen ist 2025 mit 16,6 % der Einfuhren (12,5 Mio. Tonnen) der wichtigste Partner — das skandinavische Land liefert Nordseeöl per Pipeline und Tanker. Die USA folgen dicht dahinter mit 16,4 %, vor allem durch Schieferöl-Exporte von der Golfküste. Libyen komplettiert mit 13,8 % das Podest.
Der Nahe Osten spielt für Deutschland nur eine Nebenrolle: 6,1 % kamen 2025 aus der Region — vor allem aus dem Irak. Andere EU-Staaten sind deutlich abhängiger: EU-weit stammen 13 % der Rohöl-Importe aus dem Nahen Osten.
Täglich passieren rund 20 Mio. Barrel Rohöl die Straße von Hormus — etwa ein Drittel des weltweit verschifften Erdöls. Was dort passiert, bestimmt den Preis an deutschen Tankstellen.
Folge: Die IEA hat die größte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte genehmigt — 400 Mio. Barrel. Die OPEC+ steigert ab April 2026 die Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag, um gegenzusteuern. Experten rechnen dennoch damit, dass Heizöl-Preise in Deutschland auf absehbare Zeit über 120 € pro 100 Liter bleiben.
Für Deutschland ist Hormus kein Haupt-, aber ein relevanter Seeweg: Etwa 10 bis 15 % der deutschen Rohöl-Zufuhr — vor allem Lieferungen aus Saudi-Arabien, Kuwait und den VAE — erreichen Europa über diese Meerenge. Eine längere Blockade schlägt daher auch hier durch.
Weniger über physische Lieferausfälle, mehr über den Weltmarktpreis: Weil Rohöl ein globaler Rohstoff ist, ziehen Engpässe andernorts die Preise überall an. Hinzu kommt die geopolitische Risikoprämie — der Aufschlag, den Händler verlangen, wenn Krieg oder Krise drohen.
Rund 69 USD/Barrel (Stand März 2026). Analysten erwarten für das Jahresende 2026 etwa 60 USD — vorausgesetzt, die geopolitische Lage entspannt sich.
Bundesdurchschnitt März 2026: ca. 133 € pro 100 Liter. Das sind rund 40 % mehr als Ende 2025. Über 30 % des Preises sind Steuern und Abgaben — inklusive CO₂-Abgabe (aktuell 55–65 €/Tonne).
Etwas mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Öls landet in Fahrzeugtanks. Der Rest verteilt sich auf Industrie, Heizung und die chemische Weiterverarbeitung.
„Eine unzureichende Versorgung mit Öl stellt schnell das grundlegende Funktionieren einer Volkswirtschaft infrage."Zur strategischen Rolle von Erdöl
Im niedersächsischen Wietze wird Erdöl gefunden — ein Jahr vor dem oft zitierten Drake-Bohrloch in Pennsylvania. Deutschland ist Pionier der industriellen Ölförderung.
Rund 8 Mio. Tonnen Rohöl werden pro Jahr in Deutschland gefördert — der bis heute unerreichte Höchststand. Danach sinken die Erträge kontinuierlich.
Deutschland importiert 114,5 Mio. Tonnen Rohöl — der Spitzenwert der letzten Jahrzehnte. Danach sinkt der Bedarf durch Effizienzgewinne und Umstieg auf Erdgas und Erneuerbare.
Als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine beschließt die EU ein Importverbot für russisches Seerohöl. Deutschland stellt die Belieferung der Raffinerie Schwedt über die Druschba-Pipeline weitgehend um.
75,7 Mio. Tonnen Rohöl fließen nach Deutschland — 34 % weniger als 2005. Norwegen, USA und Libyen dominieren. Russisches Öl: nahezu null.
Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Preise. IEA gibt 400 Mio. Barrel aus strategischen Reserven frei. Heizölpreis in DE auf über 130 €/100 L — rund 40 % über Vorjahr.
Kurzfristig: stabil. Deutschland ist laut Energieökonomin Claudia Kemfert gut versorgt, weil die Bezüge diversifiziert wurden. Versorgungsengpässe sind nicht in Sicht.
Mittelfristig: fragil beim Preis. Solange die geopolitische Lage angespannt bleibt, dürften Rohöl- und Heizölpreise hoch bleiben. Die CO₂-Abgabe verteuert fossile Energie strukturell — und ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel ETS 2, der den Preis marktgetrieben weiter nach oben schiebt.
Langfristig: schrumpfend. Die deutsche Ölnachfrage sinkt seit zwei Jahrzehnten, getrieben durch E-Mobilität, Wärmepumpen und Effizienz. Was bleibt, ist der hartnäckige Rest — vor allem Chemieindustrie und Güterverkehr, für die Öl bis auf Weiteres unersetzlich ist.
„Deutschland ist ganz gut aufgestellt, weil es die Öl- und Gasbezüge diversifiziert hat. Aber wir werden mit steigenden Preisen rechnen müssen — an der Tankstelle und auch beim Heizen."Claudia Kemfert · Energieökonomin · DIW Berlin
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